Endometriose – Erklärung, Definition, Häufigkeit & Ursache
Endometriose ist eine chronische, entzündliche Erkrankung, die durch das Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut-ähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter gekennzeichnet ist.
Sie gilt als eine der häufigsten gutartigen Erkrankungen in der Gynäkologie. Eine genaue Abschätzung der Häufigkeit in der Bevölkerung (Prävalenz) oder der Neuerkrankungen in der Bevölkerung innerhalb eines gewissen Zeitraums (Inzidenz) ist anhand der vorliegenden Studiendaten nicht verlässlich möglich. Man geht in Europa davon aus, dass ca. 10-15 % der Frauen im reproduktiven Alter von Endometriose betroffen sind, was in etwa 15 Millionen betroffenen Frauen entspricht. Weltweit geht man von 170-190 Millionen betroffenen Frauen aus. Die Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fälle dürfte noch höher liegen, da der Weg zur Diagnose für viele Frauen ein weiter ist. In Deutschland dauert es beispielsweise durchschnittlich 6-8 Jahre bis zur Diagnosestellung. Ein für viele Patientinnen langer Leidensweg mit unabsehbaren Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit. Belastbare Daten des statistischen Bundesamts verzeichneten im Jahr 2022 gut 32.000 Krankenhausaufenthalte aufgrund der Diagnose Endometriose. Dennoch lassen sich auch positive Trends vermelden. Debatten im Bundestag, die Etablierung von zertifizierten Endometriosezentren, Selbsthilfegruppe wie die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. sowie digitale Gesundheitsanwendungen wie die EndoApp lassen das Bewusstsein für diese chronisch-entzündliche Erkrankung der Frau im reproduktiven Alter stetig wachsen. Auch wir streben zum aktuellen Zeitpunkt eine offizielle Zertifizierung als Endometriosepraxis an.
Die Ursache für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Endometriose ist nach wie vor Stand der aktuellen Forschung und bedarf noch einer abschließenden Erklärung. Endometriose ist Kernthema mehrerer Theorien, die die Existenz der dieser Erkrankung erklären sollen. Angenommen werden genetische Defekte, epigenetische Phänomene sowie weitere Risikofaktoren, die das Vorkommen von Endometrioseherden in einem eigentlich fremden Milieu begünstigen.
Endometriose - Symptome & Diagnostik
Das Leitsymptom der Endometriose ist der Schmerz. Schmerzen, die in den meisten Fällen zyklisch in Zusammenhang mit der Menstruation auftreten (Dysmenorrhoe). Weitere Endometriose-assoziierte Leitsymptome sind Schmerzen bei Miktion (Dysurie), Schmerzen bei der Defäkation (Dyschezie) oder Schmerzen beim penetrativen vaginalen Geschlechtsverkehr (Dyspareunie). Dabei müssen unterschiedliche Schmerzmechanismen bedacht und erfragt werde. Zu unterscheiden sind der nozizeptive Schmerz, der vor drohendem Gewebe oder Organschaden warnt; der neuropathische Schmerz, der durch Verletzung von Nerven entsteht und der noziplastische Schmerz, der durch veränderte Schmerzwahrnehmung bedingt sein kann. Endometriose-bedingte Schmerzen sollten durch ein biopsychosoziales Verständnis in ihrer Therapie adressiert werden unter Berücksichtigung biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Auch nichtspezifische Symptome wie chronische Unterbauchschmerzen können mit zunehmender Schmerzdauer auftreten. Eine strukturierte Schmerzanamnese im Rahmen der ausführlichen gynäkologischen Anamneseerhebung ist dabei unerlässlich und sollte einen Endometriose-spezifischen Fragebogen beinhalten.
Im klinischen Alltag unterscheidet man die peritoneale Endometriose (Endometriose am Bauchfell), die ovarielle Endometriose (z.B. Endometriosezysten des Eierstocks), die tief-infiltrierende Endometriose, und die Adenomyosis uteri (Endometrioseherde in der Muskelwand der Gebärmutter). Durch die #Enzian-Klassifikation kann die Endometriose in ihrer Lokalisation und Ausdehnung beschrieben werden. Andere, zumeist intraoperativ verwendete Klassifikationssysteme sind der rASRM-Score sowie der Endometriosis Feritility Index (EFI).
Die Endometriose-Sprechstunde kann zu einer klinischen Untersuchug führen. Diese beinhaltet die Inspektion des äußeren Genitals (Vulva) sowie von Teilen des inneren Genitals (Vagina mit hinterem Scheidengewölbe, Gebärmutterhals) sowie eine bimanuelle Tastuntersuchung.
Als bildgebende Basisdiagnostik dient die transvaginale Sonographie. Sie gilt als Goldstandard. Für spezifische Fragestellung kann ergänzend eine MRT-Bildgebung des Beckens zielführend sein. Zur definitiven Diagnosesicherung bedarf einer histologischen Sicherung durch eine Gewebeprobe im Rahmen einer Bauchspiegelung. Eine verlässliche Diagnosestellung jedoch aufgrund der fortgeschrittenen Technik auch durch bildgebende Verfahren möglich – mit Ausnahme der peritonealen Endometriose (Endometriose am Bauchfell). Bei dem Verdacht einer tief-infiltrierenden Endometriose und / oder einer ovariellen Endometriose sollte eine Harntransportstörung mittels Nierenultraschall ausgeschlossen werden. Blutuntersuchungen sind in der Diagnostik der Endometriose bislang nicht zielführend.
Endometriose -Therapie
Aufgrund der bislang ungeklärten Ursache der Endometriose ist eine Therapie zur Vermeidung oder Beseitigung der Ursache nicht möglich. Vielmehr zielt die Therapie auf eine Krankheitsedukation und eine Symptomlinderung ab, um für die Patientin eine möglichst lange Beschwerdefreiheit zu erreichen. Hierfür bedarf es bereits von Anfang an einer multimodalen Therapie - sprich der Kombination aus unterschiedlichen Therapieverfahren. Dieser Ansatz integriert Behandlungsmethoden, die sowohl körperliche als auch psychische und soziale Komponenten dieser Erkrankung adressieren. Die konservative Therapie stellt dabei in den allermeisten Fällen die Grundlage da. Zur symptomatischen, medikamentösen Therapie Endometriose-assoziierter Schmerzen werden in erster Linie Gelbkörperhormone eingesetzt. Alternativ können weitere hormonelle Therapieoptionen zum Einsatz kommen und mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (z.B. Ibuprofen) bei nozizeptivem Schmerzmechanismus kombiniert werden. Ziel dieser hormonellen Therapieansätze ist dabei die therapeutische Blutungsfreiheit (Amenorrhoe), um die Stimulation von Endometrioseherden zu unterbinden. Primär operative Eingriffe sind wenigen bestimmten Indikationen vorenthalten oder im Verlauf bei unzureichender Symptomlinderung unter der konservativen Therapie indiziert. Darüber hinaus sollte der multimodale und interdisziplinäre Therapieansatz der Endometriose Zugang zu komplementären Therapien wie einer psychologischen Begleitung, einer speziellen Schmerztherapie, einer Ernährungsberatung, einer qualifizierten Beckenbodenphysiotherapie oder einer sexualmedizinischen Beratung ermöglichen. Auch weitere komplementäre Ansätze wie Yoga, Osteopathie, Mind-Body-Verfahren, Nervenstimulationsverfahren und Bio-Feedback können eine Rolle in der multimodalen Therapie der Endometriose spielen.
Endometriose – Kinderwunsch
Der Zusammenhang zwischen Endometriose und unerfülltem Kinderwunsch ist unbestritten. Angenommen wird, dass bei bis zu 50% der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch eine Endometriose vorliegt. Ein unerfüllter Kinderwunsch wird definiert als das nicht eintreten einer Schwangerschaft über einen Zeitraum von 12 Monaten trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs. Als Gründe für die eingeschränkte Fertilität bei Patientinnen mit Endometriose werden zum einen anatomische Veränderungen angenommen, die aufgrund von Verwachsungen / Verklebungen entstehen und mit dem Ausbreitungsgrad der Endometriose korrelieren. Zum anderen werden chronische Entzündungsprozesse, die durch Endometriose ausgelöst werden als Ursache diskutiert und hauptverantwortlich gemacht für den sukzessiven und rapiden Verlust des Follikelpools. Ferner wird im Zuge dessen eine Einschränkungen der Eizellqualität und eine Einschränkung der Implantation des Embryos in die Gebärmutter diskutiert. Der Einfluss einer hormonellen Therapie auf den Kinderwunsch wurde untersucht und konnte bislang keinen positiven Einfluss auf die Fertilität zeigen. Sowohl als alleinige Therapie als auch vor einer assistierten Reproduktion. Anders hingegen konnte eine Verbesserung der Schwangerschaftsraten im Anschluss an eine operative Sanierung von peritonealer Endometriose (Endometriose am Bauchfell) gezeigt werden. Gleiches gilt für die Sanierung der tief-infiltrierenden Endometriose. Eine besondere Herausforderung stellen Patientinnen mit ovarieller Endometriose und Kinderwunsch dar. Die operative Entfernung von Endometriosezysten am Eierstock muss im Einzelfall gründlich mit der Patientin in Hinblick auf die ovarielle Reserve abgewogen werden. Denn sowohl das Belassen der Endometriosezyste als auch die operative Entfernung derselben können die Ovarialreserve beeinträchtigen. Gemäß der deutschen S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung“ ist die Sanierung einer ovariellen Endometriose keine Vorbedingungen für den Erfolg einer Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung (IVF/ICSI). Die Guidelines der ESHRE (European Society of Human Reproduction and Embryology) empfehlen hingegen eine operative Versorgung bei Endometriosezysten über 3 cm Größe vor einer IVF/ICSI-Behandlung. Letztlich muss auch hier mit jeder Patientin ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet werden unter Berücksichtigung der persönlichen Präferenzen, der Anamnese und der klinischen sowie laborchemischen Untersuchungsbefunde.
Kontaktieren Sie uns für eine Endometriose-Sprechstunde wenn Sie bei Ihren Beschwerden oder ihrem Kinderwunsch Hilfe benötigen.